Hintergrund der Testentwicklung

Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch eine möglichst hohe Mobilität zu unterstützen, ist ein entscheidendes Rehabilitationsziel für Menschen mit Querschnittlähmung, die im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Eine möglichst gute, den funktionellen Voraussetzungen entsprechende Rollstuhlmobilität in alltäglichen Lebenssituationen wie z.B. die Bewältigung eines Bordsteines oder einer Steigung ist dabei ein wesentlicher Förderfaktor. Aus diesem Grund bedarf die Förderung der Rollstuhlmobilität im Rahmen des Rollstuhltrainings eines besonderen Augenmerks in der Erst- und lebenslangen Rehabilitation bei Querschnittlähmung.

Der AMR® verfolgt das Ziel im Rahmen eines ökonomischen und praktikablen Settings Informationen zur Rollstuhlmobilität bei Querschnittlähmung zu ermitteln. Der Test ist als therapeutisches Messinstrument entwickelt, um die Fähigkeit einer auf den Rollstuhl angewiesenen Person mit Querschnittlähmung im Umgang mit dem Rollstuhl zu beurteilen. Er bietet die Möglichkeit, objektive Erkenntnisse zur Leistungsfähigkeit im Umgang mit dem Rollstuhl zu ermitteln. Diese Ergebnisse können im Rehabilitationsprozess bei Querschnittlähmung insbesondere genutzt werden

(1) zur Verlaufsdokumentation des Fähigkeitsfortschritts eines Patienten im Umgang mit seinem Rollstuhl innerhalb einer Institution (Klinik, Rehabilitationseinrichtung),

(2) zur Planung des Rollstuhltrainings,

(3) zur Argumentation der Effektivität des Rollstuhltrainings institutsintern und gegenüber externen Institutionen (z.B. Leistungserbringern) und

(4) als objektive Rückmeldung gegenüber dem Patienten zu seinen Fähigkeiten im Umgang mit dem Rollstuhl.

Durch die Anwendung des Verfahrens kann die Entscheidung getroffen werden, ob bereits eine ausreichende Fähigkeit im Umgang mit dem Rollstuhl besteht oder ob das Rollstuhltraining intensiviert werden sollte.

Das Testverfahren wurde anhand von Forschungsdaten zur Indikation „Querschnittlähmung“ entwickelt und überprüft. Es eignet sich nach bisherigen Forschungserkenntnissen für querschnittgelähmte Personen in der Erstrehabilitation (nach mindestens 10 durchgeführten Rollstuhltrainingseinheiten) und für Wiederaufnahmefälle als Selbstkontrolle und Trainingskontrolle.

Im Rahmen des Entwicklungsprozess wurde deutlich, dass aufgrund funktioneller Unterschiede eine Differenzierung in zwei AMR® Versionen für (1) komplette und inkomplette Paraplegiker (Läsionshöhe TH1 und tiefer) und (2) komplette und inkomplette Tetraplegiker (Läsionshöhen C5 bis C8) sinnvoll ist.

Alle Aufgaben im AMR® stellen alltägliche Situationen für Menschen mit einer Querschnittlähmung dar, die von grundlegender Bedeutung für die Teilhabe dieser Zielgruppe am gesellschaftlichen Leben sind. Der Test ist im Sinne der ICF anforderungsorientiert und wird unter standardisierten Bedingungen durchgeführt. Die Probanden sollen versuchen, ihre beste individuelle Leistungsfähigkeit in den jeweiligen Testsituationen zu zeigen. „Die“ richtige Ausführung einer Aufgabe existiert dabei nicht.