AktiveKIDS – eine Studie für und mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung

Kategorie: Projekte

Das FIBS führte im Auftrag der Gold-Kraemer-Stiftung das Projekt AktiveKIDS mit dem Titel „Ermittlung der körperlichen-sportlichen Aktivität und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und deren Bedeutung für die Inklusion dieser Zielgruppe“ im Zeitraum von 2013 bis Mitte 2017 durch.

Ziel war es, die körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen mit körperlicher, geistiger oder einer Sehbeeinträchtigung zu erfassen und zu überprüfen, ob diese in Zusammenhang mit der Teilhabe an weiteren Freizeitaktivitäten steht. Als zentrales Erhebungsinstrument wurden SenseWear Armbänder eingesetzt, welche jeweils über einen Zeitraum von einer Woche die körperliche Aktivität der Kinder und Jugendlichen gemessen haben. Flankierend wurden Fragebögen zur Teilhabe an Freizeitaktivitäten und Sport und zur selbstbestimmten sozialen Zugehörigkeit eingesetzt.

Insgesamt nahmen 434 Schülerinnen und Schüler an der Studie teil, so dass erstmals in Deutschland ausreichend Daten vorliegen, die Rückschlüsse auf die untersuchten Aspekte zulassen.

Die Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler der Stichprobe nur wenig körperlich-sportlich aktiv sind. Anhand der Schrittdaten wird deutlich, dass sie hinter Gleichaltrigen ohne Beeinträchtigung zurück bleiben.  Gerade von den jugendlichen Mädchen und jungen Frauen erreichen nur wenige das empfohlene Maß an täglicher körperlicher Aktivität. Die Befragung der Eltern ergab darüber hinaus, dass sie nur selten im Sportverein organisiert sind.

Zusätzlich zeigen die Daten, dass sich eine erhöhte körperliche Aktivität und die Teilhabe am organisierten Sport positiv auf die Teilhabe an anderen Freizeitaktivitäten auswirken. Vor allem körperlich-sportliche Aktivitäten und solche, die in einer Gruppe stattfinden bzw. denen in der Regel mit anderen gemeinsam nachgegangen wird, wurden von den körperlich aktiven Kindern und Jugendlichen häufiger ausgeführt als von den Inaktiven.

Die Antworten und Äußerungen der Eltern liefern darüber hinaus wichtige Informationen zu Barrieren und förderlichen Bedingungen für das Freizeit- und Sportverhalten ihrer Kinder. Dabei wird deutlich, dass nach Schulschluss soziale Kontakte am Wohnort und inklusive Angebote fehlen. Zusätzlich können eingeschränkte finanzielle Ressourcen, ein erhöhter Unterstützungsbedarf z.B. bei der Mobilität und Assistenzleistungen die Selbständigkeit und Selbstbestimmung einschränken. Gerade im Bereich des organisierten Sports scheinen passende Gruppen und Vereine nicht ausreichend bekannt oder vertreten zu sein, da ein Großteil der Kinder und Jugendlichen gerne oder sehr gerne Sport macht und viele gerne mehr Sport machen würden. Gezielte Leistungsangebote, wie sie im „Nationalen Aktionsplan 2.0“ vom BMAS im Einklang mit Artikel 30 der UN-BRK gefordert werden, scheinen die Adressaten bislang nicht ausreichend zu erreichen.

Informationsmaterial

TitelblattAus den gewonnenen Erkenntnissen der Studie können zukünftige Angebote im Bereich des Sports den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen besser angepasst und Wissenslücken zur derzeit nicht existenten Datenlage zur körperlichen Aktivität dieser Zielgruppen geschlossen werden. Dazu ist eine Broschüre mit Handlungsempfehlungen erarbeitet worden. Sie richtet sich an die Betroffenen selber und alle Interessierten, die Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung darin unterstützen wollen, ihren Alltag aktiver zu gestalten. Die Broschüre ist hier als pdf abrufbar.

Zusätzlich entstand ein Video, das am Beispiel eines 10-jährigen Jungen die Inhalte und wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammenfasst:

Das Video gibt es auch mit Untertitel und Audiodeskription.

Bei Rückfragen und Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Ihre Ansprechpartnerin ist:

Dr. Vera Tillmann

Mail: tillmann@fi-bs.de

Tel.: 02234 2052370

Autor FiBS gGmbh | Veröffentlicht am 12. Juni 2014 | Kategorie: Projekte